Das Gelände

Als Erbstück des elterlichen Hofes bewirtschaften wir das Gelände, den "Acker", bereits im 27. Jahr unter ökologisch-biologischen Gesichtspunkten komplett giftfrei. Als ehemaliger Plaggenesch einer Heidelandschaft bietet der humose Sandboden ausreichend Nährstoffe für den Obst- und Gemüseanbau sowie den Anbau von Beeren. Eine gute Kompostwirtschaft und die Tauschmöglichkeit mit dem Nachbarn - Heu gegen Pferdemist - ermöglicht eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.

Das private Projektgelände hat eine Flächengröße von 8000 m². Zugeschnitten wie ein langes stumpfes Dreieck wirkt das Gelände auf den Betrachter größer, als es tatsächlich ist. Die vielschichtigen Strukturen schaffen einen Raum, der sowohl begrenzt als auch offen erscheint. Haselnusssträucher schaffen im Gelände Nischen und bilden lineare Blickachsen. Das Areal ist umrandet von einer 5 Meter breiten und 200 Meter langen Feldhecke. Durch eine 400 Meter lange Weißdornschnitthecke unterteilt gliedert es sich nochmals in weitere Gartenbereiche und Grünwege. Über 60 heimische Baum- und Straucharten sind auf dem Gelände zu finden, darunter auch Raritäten wie Mispeln und die Elsbeere.

Bäume und Sträucher

Auf der Streuobstwiese stehen 65 hochstämmigen Obstbäume. Hauptobstart ist der Apfel, der in 30 Sorten vertreten ist. Zwölf Birnbäume, acht Pflaumenbäume, drei Süßkirschenbäume sowie zwei Walnussbäume und zwei Maronenbäume ergänzen das Obstsortiment. Haselnüsse, Quitten, Aprikosen, Pfirsiche und Beerenobst sind als Obststräucher vertreten. Der Wiesenaufwuchs wird Ende Juni einmalig gemäht und verheut. Der weitere Aufwuchs wird von Schafen in Sommerweide beweidet. Innerhalb der Obstbaumreihen wachsen heimische Wildstauden, die wiederum weitere Kleinstlebensräume bilden. Dieser Bereich wird jeweils im Frühjahr einmalig gemäht.

Vogelarten

Das Gelände hat sich im Laufe der Jahre zu einem artenreichen Lebensraum für viele zum Teil seltene Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Insbesondere einige "Leitarten" von Streuobstwiesen nutzen das Gelände zur Brut, Nahrungssuche oder als Rastplatz. Vogelarten wie der Steinkauz, der Gartenrotschwanz, der Grünspecht und der Gelbspötter, aber auch das Rebhuhn sind seit vielen Jahren auf dem Gelände anzutreffen. Eine Besonderheit stellt die wohl größte westfälische Feldsperlingspopulation dar. Alljährlich ziehen hier bis zu 50 Feldsperlingspaare ihre Jungen auf!

Säugetiere

Unter den Säugern finden sich allein vier Vertreter der Marderartigen, Fledermäuse, Maulwurf und Igel, aber auch Hase, Reh, Eichhörnchen und Fuchs nutzen das Gelände. Die große Zahl der Mausarten zieht auch die Beutegreifer aus der Luft an. Sperber, Turmfalke, Mäusebussard und "Hühner"-Habicht sind tagsüber aktiv. Nachts kommt neben dem Steinkauz auch noch die Schleiereule hinzu.

Bienen, Hummeln und Schmetterlinge

Das große Wildbienenhaus beherbergt eine Reihe von heimischen Stechimmenarten. Auch 6 Hummelarten, Hornissen und 10 Honigbienenvölker beleben das Gelände. Unter den Schmetterlingen finden sich der Aurorafalter, das Landkärtchen, der C-Falter, der kleine Fuchs, Admiral, Distelfalter, Tagpfauenauge und Zitronenfalter, daneben noch einige Weißlinge. Alle profitieren von dem reichhaltigen Blütenangebot.

Pflanzen

Eine Besonderheit stellt auch die Vielfalt der typisch westfälischen Dorf- und Siedlungspflanzen dar. Auf dem Gelände finden sich über 20 Vertreter dieser Gruppe. Dazu gehören unter anderem Herzgespann, Katzenminze, Nachtviole, Andorn, Alant, Schwarznessel, Eisenkraut, Wegmalve, Osterluzei, Seifenkraut, Wermut, Bilsenkraut und die Süßdolde.

Auch ein großer bäuerlicher Nutzgarten gehört zum Gelände. Im Gemüsegarten wird neben einem "Standartsortiment" auch die Logopflanze des Projektes angebaut, Vicia Faba, die "Dicke Bohne" oder Ackerbohne. Daneben finden sich im Nutzgarten auch eine große Auswahl an Heil- und Küchenkräutern.

Nutztiere

Als Nutztiere halten wir neben den erwähnten Honigbienen, noch bis zu 25 Altsteirer Hühner und im Sommer eine kleine Gruppe von Bentheimer Schafen.

Es befinden sich neben dem Wildbienenhaus noch eine kleine Remise zur Aufbewahrung von Materialien und Werkzeugen sowie ein "therapeutischer" Hühnerstall und ein Toilettenhaus auf dem Gelände. Der Bauwagen der Naturschule Gütersloh kann ebenso genutzt werden wie ein großes Zelt.

Weitere Nutzung des Geländes

Die vielfältigen Strukturen des Geländes und die Fülle der biologischen Vielfalt ermöglichen besondere Beobachtungsmöglichkeiten und Erlebnisse. Das Gelände wird seit über 12 Jahren für naturpädagogische Angebote der Naturschule Gütersloh im Rahmen von Oster- und Sommerferienspielen genutzt („Sommerabenteuer auf der Obstwiese“, „Wo die wilden Wühler wohnen“, Wildkräuterküche, Kompostwerkstatt). Darüber hinaus finden regelmäßig in Kooperationen mit Vereinen und Verbänden Fortbildungs- und Schulungsveranstaltungen statt (Obstgehölzschnittkurse, Kräuterseminare und ornithologische Wanderungen; siehe auch Umweltportal Stadt Gütersloh).
Das Streuobstwiesengelände und der Gemüse- und Kräutergarten bieten in ihrer biologischen Vielfalt ein fast unerschöpfliches Reservoir für Wahrnehmung, gemeinsames Erleben, Erfahrungen sammeln, Kontaktmöglichkeiten, Sinnesentfaltungen, Wissensbildung, Entwicklung von Zutrauen und Vertrauen.

So wirkt der faba-Garten auf die Kinder

Naturerleben und Naturerfahrung können zwar die belastenden Situationen in den Familien der Faba-Kinder nicht beseitigen, aber es kann ein Verständnis von "zu Hause sein in der Natur, in der Welt" bei den Kindern entstehen. Was wir in Natur und Garten wahrnehmen, die Art und Weise wie wir wahrnehmen, beeinflusst unsere Gefühle und unsere Stimmungen. Der positive Einfluss einer natürlichen Umgebung ist eindeutig. Das Spiel in der freien Natur, der Umgang mit Naturprodukten, die Beschäftigung mit Tieren und Pflanzen und die Beobachtung des Werdens, Vergehens und der Prozesse der Veränderung im Jahreskreis wirkt positiv. Natur wirkt dabei nicht nur aus sich heraus, sondern wird erst durch die intensive Begleitung der Kinder im Projekt durch die Bezugspersonen ermöglicht. Innerhalb des Projektjahres entwickeln die Kinder auf diesem Hintergrund auch die Überzeugung, selbst etwas bewirken zu können, selbst wirksam zu sein. Einige Kinder haben sich nach ihrer Faba-Gruppe gezielt im Umweltbereich engagiert, z.B. Schulgarten, Kindergruppe des örtlichen Naturschutzverbandes, Praktikum im Umweltamt.

Bedingungen für eine unterstützende Umgebung können wie folgt beschrieben werden:

* Die Umgebung hat etwas von "fort sein".
* Die Umgebung ist ausreichend groß und reichhaltig. Es gibt genug zu sehen, zu erfahren und nachzudenken.
* Die Umgebung fasziniert, und das ist wesentlich für jede Aktivität, die als erholsam erlebt wird.
* Die Phänomene im Garten halten die Aufmerksamkeit auf undramatische Weise.

Ein solcher Lebensraum wirkt seelisch stärkend. Die Erfahrungen und Anregungen können von den Kindern in ihr eigenes Umfeld übertragen und weiterhin genutzt werden.